Entwicklung des ländlichen Raumes soll in erster Linie bedeuten: Schaffung von Arbeitsplätzen und breite Kapitalbildung der privaten Hand.
In zweiter Linie bedeutet ländliche Entwicklung Schutz von landschaftsprägenden Kultur- und Naturelementen.
Das zwischen Elbe und Fläming ist historisch geprägt durch die Land- und Forstwirtschaft. Die große Anzahl der Herrenhäuser, Schlösser und Adelssitze in diesem ländlichen Raum gibt heute noch Zeugnis ab von der Herrschafts- und Lebenssituation vergangener Jahrhunderte.
Der Arbeitstitel
Schlösser & Gärten zwischen Elbe und Fläming
verbindet die historischen Gebäude mit der umgebenden Landschaft und der geographischen Lage.
Diese Kulturlandschaft ist einerseits ein Dokument der Geschichte, andererseits ein marktwirtschaftliches Potential.
Die Bewahrung des Zeugnis- bzw. Dokumentarwertes einer Kulturlandschaft liegt in der gesetzlichen Verantwortung des Denkmalschutzes
Allerdings kann die Erhaltung von Kulturerbe nicht auf gesetzlicher Grundlage „verordnet“ werden. Sie benötigt die Identifikation der Bewohner mit ihrer Region, sie stützt sich auf Einzelpersonen wie auf engagierte Kommunen, Vereine, Stiftungen und Verbände.
Die Projekt-Region leidet unter hoher Arbeitslosigkeit und mangelnden Perspektiven für die Bevölkerung. Es kommt zu hohen Abwanderungen junger und/oder qualifizierter Menschen.
Durch die demographische Entwicklung besteht die Gefahr einer Überalterung der ortsansässigen Bevölkerung.
Bereits jetzt gibt es in der Maßnahme-Region einen wesentlich höheren Anteil von Senioren an der Gesamtbevölkerung als im Bundesdurchschnitt.
Die Bevölkerungsdichte liegt mit 102 Einwohnern je km2 deutlich unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt.
Die im Agrar-Sektor arbeitslos gewordene Bevölkerung konnte nicht im Industrie- oder Dienstleistungssektor aufgefangen werden, da diese Branchen unterentwickelt bzw. überhaupt nicht vorhanden sind.
Die Ansiedlung großer Industriebetriebe kann momentan nicht erwartet werden. Hoffnung und Konzentration auf investive Riesenprojekte erweisen sich für die Entwicklung strukturschwacher ländlicher Regionen als nicht zweckmäßig.
In mehreren Orten der Projekt-Region gefährdet ein eingeschränktes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, eine unzureichende technische und soziale Infrastruktur und ein niedriges Niveau der Investitionstätigkeit den Fortbestand als funktionsfähiger regionaler Siedlungsraum.
Auch der Tourismus ist in der Region nicht von nennenswerter Bedeutung, die Region hat im Gegensatz zum Harzgebiet oder dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich keine touristische Tradition. Eine Ausnahme bildet lediglich die Lutherstadt Wittenberg.
Durch die Kreisgebietsreform im Juli 2007 besteht die Gefahr einer zusätzlichen De-Fokussierung für den Raum nördlich der Elbe zwischen Zerbst und Wittenberg.
Gleichzeitig ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Attraktivität einer Region für private Investitionstätigkeit wichtig ist (sogenannte „weiche Standortfaktoren).
Dabei wird Attraktivität im Wesentlichen durch kulturelle Identität und natürliche Umgebung beeinflusst. Das Fehlen kultureller Identität führt langfristig zu sozialer Haltlosigkeit, die schnell zum wirtschaftlichen Desaster werden kann.
Nur Identifikation mit der ländlichen Kultur kann dann noch die ländliche Bevölkerung zusammenhalten, die Identifikationskerne sollten dabei auch Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung im ländlichen Raum sein.
Wichtig ist deshalb gerade für die Projekt-Region die Nutzung vorhandener wertvoller Potentiale, wie der unverwechselbaren Naturausstattung und der Vielzahl an Schlössern, Herrenhäusern und Parkanlagen.
Diese Ressourcen sind noch weitgehend ungenutzt. Aus diesem Grund befindet sich auch nur ein relativ geringer Teil in einem solchen Zustand, dass er der regionalen Entwicklung dienlich ist.
Einige Anlagen wurden bereits vorbildlich rekonstruiert. Neben ihrer besonderen kulturellen Attraktivität wirken sich die revitalisierten Anlagen positiv auf die Arbeitsmarktsituation des ländlichen Raumes aus.
Mit der Entwicklung dieser Anlagen sind jedoch lange zeitintensive Prozesse verbunden, in denen eine Vielzahl an Hemmnissen und Problemen überwunden werden müssen.
Als wichtiges Kulturgut sollen die Guts- und Parkanlagen zur Steigerung der wirtschaftlichen, touristischen und kulturellen Attraktivität der Region beitragen. Insbesondere für den ländlichen Raum können durch funktionsfähige Guts- und Parkanlagen zusätzliche Entwicklungsimpulse für verschiedene Lebens- und Wirtschaftsbereiche ausgehen.
Diese Förderung der Regionalentwicklung ist ein wesentlicher Baustein in der Identitätsstiftung und als wirtschaftlicher Standortfaktor
Für strukturschwache Gebiete Deutschlands und Europas ist belegt, das lokale historische Traditionen, regionales Kulturerbe und historische Bauten ein allgemein unterschätztes Potential für die Strukturentwicklung einer Region ist.
Deshalb ist eine Aufgabe des hier vorliegenden Projektes, auf die vorhandenen menschlichen, kulturellen, sozialen und umweltrelevanten Potentiale hinzuweisen und Ausschöpfung im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung anzumahnen.
Das Konzept will die Entwicklungspotentiale aufzeigen und deren dringend notwendige Realisierung anstoßen.
Die Realisierung des Gesamtkonzeptes in einzelne Module unterteilt, die aufeinander aufbauen:
Modul 1 Bestandsaufnahme der an einem Stichtag vorhandenen Schlösser,
Gutshäuser, Ruinen und Parkanlagen einschließlich der Ausstattung
Modul 2 Erarbeitung und Realisierung von Info-Tafeln vor Ort zu den einzelnen
Objekten
Die ersten beiden Module müssen schnellstmöglich abgeschlossen werden, da sie die Basis für die weitere Projektarbeit bilden.
Modul 3 a) Mobilisierung branchenübergreifender regionaler Partnerschaften und
Netzwerke
b) Erhöhung des lokalen Verantwortungsgefühls für das Kulturerbe
Modul 4 Radweg-Konzept incl. Flyer und kleinen Wegeschildchen unter
Ausnutzung vorhandener Wegenetze
Modul 5 Touristischer Führer (Buch) zu und über die einzelnen Objekte
Modul 5 Mobile Ausstellung zur wechselnden Unterbringung in den einzelnen
Gebäuden bzw. Ortschaften
Modul 7 Fachspezifische Einzelkonzepte
Parallel dazu werden etwa 3 - 5 Fachseminare mit den Eigentümern/Verantwortlichen stattfinden.
Mit der Belebung der einzelnen Anlagen werden folgende Ziele verfolgt:
- Erhaltung von Kultur- und Naturanlagen
- Erhöhung der Identifikation der Einwohner mit ihrer Region
- Bereicherung der touristischen Erlebbarkeit
- Nachhaltige Stärkung der lokalen Wirtschaft durch Einbindung in Netzwerke
- Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum
- Beitrag zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen
- Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung der Ursprünglichkeit der Landschaft
|